| Teilnehmende: |
Ernst Forster, Hans Kaufmann (Mitglieder Stiftung Gandhi Hilfswerk Schweiz), Miroslav Godovanez (Mitglied des Vereins Gandhi Club Deutschland)
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| Vorbemerkung: |
Wenn es die Zeit erlaubt, besuchen wir auf unseren Reisen nach Indien jeweils noch sehenswerte Regionen, welche wir noch nicht kennen. Diesmal besuchten wir die eindrücklichen Höhlen- und Felsentempel in Aurangabad und Ellora, 374 km östlich von Mumbai. |
1. Teil der Reise
| Mo, 26.09.11 |
Flug Zürich – Mumbai (6’544 km, 8 1/2 h), Übernachtung in Mumbai |
| Di, 27.09.11 |
Fahrt mit der Eisenbahn Mumbai – Aurangabad (374 km, 6 3/4h), Übernachtung in Aurangabad |
Die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges benutzten wir, um das Gateway of India zu besuchen.
Dieser Triumphbogen wurde auf dem Apollo-Pier gebaut, um an die Ankunft von König
George V. und Königin Mary bei ihrem Besuch im Jahr 1911 zu erinnern.
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| Gateway of India | Chhatrapati Shivaji Terminus (Victoria Station) |
Auf der Fahrt zum Chhatrapati Shivaji Terminus, der 1888 im prächtigen viktorianischen Stil erbauten Victoria Station (gehört seit 2004 zum UNESCO-Weltkulturerbe), zeigte uns der Reiseführer eines der Verteilzentren für die Mittagessen, welche Frauen für ihre arbeitenden Männer kochen und die sie mit einer Art Kurier an deren Arbeitsplatz liefern lassen. Die Mahlzeiten werden in individuellen Gefässen bis 11.00 Uhr von Kurieren in den Aussenquartieren abgeholt und zu einem der grossen Verteilzentren geliefert. In diesem werden täglich je nach Aufträge 6'000 bis 10'000 Gefässe gesammelt und neu sortiert. Jedes Gefäss ist mit der Adresse des Empfängers angeschrieben. Spätestens 12.30 Uhr wird die Mahlzeit dem Adressaten abgeliefert. Je nach Beschaffenheit des Gefässes ist das Essen dann noch warm. Dieser Lieferdienst kostet monatlich ca. 500 Indische Rupien INR (10.- CHF).
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| Anlieferung zu Fuss | Endverteilung mit dem Fahrrad |
Ein ähnlicher Service gibt es auch für das Waschen von Kleidern. Von lokalen Sammelstellengelangt die schmutzige Wäsche über ein ausgeklügeltes System zu den Wäschereien.Bis die getrocknete und gebügelte Wäsche wieder den Besitzer erreicht, dauert es drei Tage.
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Anlieferung der schmutzigen Wäsche |
Wäscherei, im Vordergrund Jeans am Trocknen |
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| Waschen von Hand vor allem durch Männer ausgeführt | Waschen mit der Maschine |
Am Bahnhof herrschte ein emsiges Treiben. Die Wagen der Fernzüge wurden von Handeingeseift und gewaschen. Unser Zug wurde erst kurz vor der Abfahrt in die Halle geschoben. Deshalb blieb keine Zeit mehr, um die Fenster der Wagen zu reinigen. Pünktlich verliess der Janshatabdi Express den Bahnhof der 19 Millionen Einwohner Stadt. Dass die Wagen unseres Zuges nicht mehr gereinigt werden konnten bereuten wir sehr, war doch das Fenster unseres Abteils wie blind und ermöglichte uns deshalb keine Sicht nach aussen. Der Wagen war vollständig ausgebucht, ein Wechsel in ein anderes Abteil war nicht möglich. So betrachteten wir in einer ersten Phase die vorbeiziehende Landschaft von der Wagenplattform bei geöffneten Wagentüren. Dies wurde immer schwieriger, da einerseits immer mehr am Boden sitzende Inder die Plattform versperrten und zudem mit zunehmender Reisedauer sich ein infernalischer Gestank von der Toilette auf die Plattform ausbreitete.
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Die Wagen werden gewaschen |
Unsere Lokomotive |
Vorbeifahrt an unzähligen Blechhütten |
Entgegenkommender Vorortszug |
Während der ganzen mehrstündigen Fahrt telefonierte ein Inder im Abteil nebenan fortwährend. Er benutzte dazu nicht nur ein sondern sogar zwei Handys. Alle zwei bis drei Minuten wurden Esswaren und Getränke zum Kauf angeboten, hin und wieder Spielwaren sowie Ohrstecker. Bei einem längeren Halt robbte ein ca. 11-jähriger schmächtiger nur mit einer zerschlissenen Hose bekleideter Knabe durch den Wagen, welcher die Abfälle vor sich her wischte. Bei jedem Abteil stoppte er und hoffte auf ein Trinkgeld. Während der ganzen Fahrt wurden keine Stationen ausgerufen, eine entsprechende Anzeige gab es im Zug nicht. Zum Glück war unser Ziel, die Stadt Aurangabad, auch gleichzeitig die Endstation des Zuges. Eine grosse Schar von Reisenden ergoss sich auf den Perron. Wir mussten eine Passerelle erklimmen um die Geleise zu überqueren und das Bahnhofgebäude verlassen zu können. Ich sah mich ausser Stande den 20 kg schweren Koffer selber durch das Menschengewühl zu tragen. So heuerten wir einen Gepäckträger an, welcher zwei grosse Koffern mit einem Gesamtgewicht von fast 40 kg auf dem Kopf erfolgreich durch das enorme Gedränge balancierte. Die 6 3/4 stündige Fahrt kostete 975 INR (19.50 CHF), in der „Holzbrettklasse“ 100 INR (2.- CHF)
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Mi, 28.09.11 |
Besichtigung der Höhlen von Aurangabad, Übernachtung in Aurangabad |
Nach einer Fahrt von 166 km erreichten wir die im Bundesstaat Maharashtra gelegenen Höhlen von Ajanta. Vom 2. Jh. v Chr. bis 5. Jh. n. Chr. wurde das Tal von Buddhisten bewohnt. Diese trieben insgesamt 27 grosse Höhlen (Tempel und Klöster) in den Felsen, welche bis zu 30 m breit, 15 m tief und 4 m hoch sind. Die Bauzeit einer einzigen Höhle soll dreissig Jahre gedauert haben. Die Höhlen wurden von oben nach unten ausgehauen, zuerst die Decke, gefolgt von den Kapitellen und Säulen und am Schluss der Fussboden. Einzelne Kammern sind nicht fertig gestellt worden, da das Gewölbe einzustürzen drohte.
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Übersicht über die Höhlen- anlage von Ajanta |
Tempeleingang |
Steinmetzarbeit vom Feinsten |
Neben der erstaunlichen Leistung der Aushöhlung der Felsen ist auch die künstlerische
Ausgestaltung einzelner Höhlen einzigartig.
Im 5. Jh. erreichte eine Welle von Feindlichkeiten gegen Buddhisten in ganz Indien dieses abgeschiedene Tal. Die Buddhisten wurden vertrieben. Die Höhlen gerieten in Vergessenheit und wurden im Laufe der Zeit vom Verwitterungsschutt der darüber liegenden Felswände verdeckt. Im April 1819 passierten Angehörige der britischen Madras-Armee das Ajanta-Ghat. Während einer Tigerjagd ergründete der britische Kavallerioffizier John Smith die kaum zugängliche Schlucht und entdeckte dabei die seit Jahren verwaisten Höhlentempel und -klöster. Diese Höhlen sind wie die sehenswerten Höhlen von Ellora 1893 ins UNESCOWeltkulturerbe aufgenommen worden.
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| Palastszene als Wandmalerei | Stuppa mit Buddha |
Der Weg zu den Höhlen ist oft schmal und steil. Schon beim Eingang wurden wir von Trägern umringt und bestürmt, welche sich anerboten uns auf Sänften zu den einzelnen Höhlen zu tragen. Unsere Standhaftigkeit währte nicht lange. Das Argument, die Touristensaison hätte noch nicht begonnen und sie hätten damit keine Kunden und seien auf den Verdienst 600 INR (12 CHF) wirklich sehr angewiesen, erweichte das Herz von Ernst. Abwechslungsweise wurden wir drei über diese Treppen getragen, wobei je nach Steigung und Gefälle die Träger die Sänfte geschickt drehten. Die Inder kamen dabei tüchtig ins Schwitzen.
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| Bequemer kann man die Höhlen nicht besichtigen |
Beim Hinausgehen wurden wir von den zahlreichen Händlern belagert. Einer, welcher einen amputierten Arm hatte, wollte unbedingt mit mir ins Geschäft kommen. Ich war schon im Auto, als er mich inständig bat, seine kleinen Elefanten doch abzukaufen. Wir seien gegenwärtig die einzigen Touristen und damit die einzige Einnahmequelle. Also tätigte ich den Kauf!
| Do, 29.09.11 | Fahrt nach Ellora, Besuch der Höhlen von Ellora, Übernachtung in Aurangabad |
Die 34 Höhlen- und Felsentempel, welche auch zum UNESCO Kulturerbe gehören, wurden zwischen dem 5. und 10. Jh. über eine Länge von mehr als 2 km aus einer basaltischen Felswand geschlagen. Sie teilen sich auf in 12 buddhistische, 17 hinduistische und 15 janistische Tempel und Klöster. Der eindrucksvollste Tempel ist der quadratische hinduistische Kailasa Tempel mit einer Seitenlänge von 46 m und damit der grösste Felsentempel Indiens. Im Gegensatz zu den anderen Bauwerken Elloras besitzt er nicht nur eine Fassade, sondern er wurde rundherum freigelegt und reich verziert. Dafür mussten 200'000 t Erdreich abgetragen werden.
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| 2 der insgesamt 34 Bauwerke | Blick in den Kailasa Tempel |
Kunstvolle Eingangspartie in den Felsentempel |
Buddhas |
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Aufwändige Steinmetzarbeit in höchster Präzision |
Nach dem Wegzug der Mönche bewohnten die Leute der Umgebung mit ihren Haustieren diese Tempelanlagen, dies vor allem als Schutz während der Monsunzeit.
Im Anschluss an den Besuch der sehr beeindruckenden Ellora Höhlen besuchten wir noch das 1660 fertig erbaute Grabmal Bibi-Ka-Maqbara Mausoleum, welches dem berühmten Taj Mahal nachempfunden ist. Azam Shah, Sohn von Aurangzeb, wollte seiner verstorbenen Mutter ebenfalls ein spektakuläres Grabmal spendieren. Er war jedoch deutlich sparsamer. Die Wände des Grabmals sind nicht mit Jade- , Labislazuli- oder Türkiseinlegearbeiten verziert. Das ganze Bauwerk ist viel einfacher gestaltet und gegenwärtig nicht in einem besonders guten baulichen Zustand. Die Baukosten betrugen nur etwas 700'000 Rupien bei einer Bauzeit von 10 Jahren, ein gegenüber dem Taj Mahal (Kosten ca. 32'000'000 Rupien / Bauzeit ca.22 Jahre) verschwindend geringer Betrag. Die Inder nennen dieses Grabmal „poor man’s Taj“.
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Bibi-Ka-Maqbara Mauso- leum bei Aurangabad |
Der berühmte Taj Mahal in Agra |
| 2. Teil der Reise | Besuch unserer Projekte |
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Vorbemerkung: |
Am Schluss dieses Berichtes ist ein Kartenausschnitt Indiens aufgeführt, auf dem die Orte unserer Projekte ersichtlich sind. |
| Fr, 30.09.11 |
Flug Aurangabad – Mumbai, Flug Mumbai – Chennai, Fahrt Chennai – Nellore, Besuch von Gandhi Puram (ehemals Vallamedu), Übernachtung in Nellore |
Die Fahrt nach Gandhi Puram gestaltete sich als Wettlauf mit dem Sonnenuntergang. Wir wollten ja noch Fotos von unserem Besuch machen. Unser Fahrer Shiva gab sich alle Mühe diesen Wettlauf zu gewinnen. Eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang erreichten wir das Dorf Gandhi Puram (ehemals Vallamedu) im District Nellore. Dieses Dorf wurde in Zusammenarbeit mit der VRO (Village Reconstructure Organisation), einer Jesuitenorganisation, in den Jahren 2007 bis 2010 erbaut. Finanziert wurde dieser Dorfbau durch unsere Gandhiorganisation. Das Dorf umfasst 32 Doppelhäuser für 64 Familien, die der Bevölkerungsgruppe Scheduled Castes (Unberührbaren) angehören.
Anlässlich eines unserer Besuche gelangte die Dorfbevölkerung mit der Bitte an uns um Erstellung eines Wasserreservoirs. Dieses Projekt, welches ebenfalls von der VRO gebaut wurde, konnten wir im Februar 2011 einweihen. Es umfasst eine Wasserzuleitung von der staatlichen grossen Trinkwasserleitung, ein Wasserreservoir, welches 20'000 l fasst, sowie 6 Zapfstellen. Damit hat die Bevölkerung nun Zugang zu einwandfreiem Trinkwasser und ist nicht mehr auf lange Fusswege zu den Wasserstellen angewiesen.
Wenn immer möglich besuchen wir auf unseren Indienreisen im Sinne der Nachhaltigkeit alle unsere Projekte, so auch Ende April 2011. Bei diesem unangemeldeten Besuch mussten wir feststellen, dass die Anlage nicht funktionierte. Die Dorfbevölkerung erläuterte uns glaubhaft, dass sich die Abzweigung und Teile der Trinkwasserleitung gesenkt habe und damit diese Zufuhr von Wasser nicht mehr möglich sei. Von der VRO erhielten wir eine völlig andere, für uns wenig glaubhafte Begründung. Auf unsere Intervention bei der VRO hin wurde uns versprochen, Abhilfe zu schaffen. Erfreut konnten wir bei unserem erneut unangemeldeten Besuch feststellen, dass die Leitung erneuert und unterwegs noch zusätzliche Zapfstellen eingerichtet worden sind. Dank unserem Fahrer Shiva, der den örtlichen Dialekt Telegu spricht, konnten wir in Erfahrung bringen, dass die uns von der Dorfbevölkerung Ende April geschilderten Gründe für das Nichtfunktionieren der Wasserzufuhr tatsächlich der Wahrheit entsprochen haben.
Allerdings stellten wir fest, dass einzelne Hahnen auch im geschlossenen Zustand tropften. Offensichtlich sind diese Packungen bereits nicht mehr dicht. Es geht jetzt darum, einzelne Bewohner darin zu schulen, dass diese in der Lage sind, kleinere Reparaturen wie das Ersetzen von Packungen vorzunehmen.
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Sauberes Trinkwasser, für uns sebstverständlich |
Eine der zusätzlich erstellten Zapfstellen |
Ein übliches Gefährt |
Dankbare Gesichter |
| Sa, 01.10.11 | Fahrt Nellore – Guntur, Besuch des Tailoring Centers in Chenna Palli Palem, Besuch von Mahtama Puram (ehemals Balakotaiah), Übernachtung in Guntur |
Am Morgen besuchten wir das im August 2011 eröffnete, von uns finanziell unterstützte Gandhi Nähzentrum in Chenna Palli Palem. Dieses liegt ca. ¾ Stunden ausserhalb von Nellore in Richtung Golf von Bengalen. Vom Bischof von Nelore beauftragt, betreut hier Pater Innaiah konfessionsübergreifend die notleidende Bevölkerung. Diese lebte vor allem vom Fischfang. Nach dem grossen Tsunami 2004 und dem Bau eines grossen Hafens 2010 sind die Fischschwärme und damit die Lebensgrundlage dieser Familien verschwunden. Diese müssen sich nun der Landwirtschaft zuwenden, obwohl Tiere wie Wasserbüffel, Ziegen und Schafe fehlen und der Existenzaufbau für viele der Familien unheimlich schwierig ist. Unser Projekt umfasst einerseits die tatkräftige Unterstützung beim Wechsel der Erwerbstätigkeit. Mittellose Familien erhielten einen Wasserbüffel. Die Milch wird zum einen selbst gebraucht, zum andern kann die überschüssige Milch an die im gleichen Dorf gelegene Milchsammelstelle verkauft werden. Insgesamt haben bereits 10 Familien ein Tier erhalten. 50 Familien erhalten seit Juli 2011 als zusätzliche Nahrung einmal pro Woche 4 kg Reis. Dieser Reis ist als vorläufige Überbrückungshilfe gedacht, bis die Familien in der Lage sind, mit den Erträgen aus der Landwirtschaft ihren ganzen Lebensunterhalt selber zu bestreiten.
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Miroslaw Godovanez, Pater Innaiah, Ernst Forster, Hans Kaufmann |
Die jungen angehenden Schneiderinnen |
Übergabe der wöchentlichen Reisration von uns ergänzt mit Seife und Früchten |
Diese Witwe, Mutter von 4 Kindern, freut sich über die Kuh und das kürzlich zur Welt gekommene Kalb |
Zusätzlich erhalten die jungen Frauen die Möglichkeit sich als Schneiderin in einem mehrmonatigen Kurs ausbilden zu lassen. Vorgesehen waren ursprünglich10 Kursteilnehmerinnen, wegen des grossen Interesses werden nun 16, darunter eine Taubstumme, von einer ausgebildeten und erfahrenen Lehrerin unterrichtet. Sie verdient pro Monat 3'000 INR (60 CHF).
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10 fussbetriebene Nähmaschinen stehen zur Verfügung |
Die Theorie wird im Schulzimmer unterrichtet |
Gestickte Beschriftung des Werkheftes |
Die erste praktische Arbeit: Kinderkleider |
Jede Frau führt ein persönliches Werkheft, in welchem die Kleidungsstücke in Kleinstformat zuerst in Papier, dann in Stoff angefertigt werden. Ihre persönlichen Körpermasse sowie die einzelnen Arbeitsschritte werden ebenfalls darin festgehalten.
Mit den erworbenen Kenntnissen können diese Frauen Aufträge entgegennehmen und so einen wertvollen Beitrag an das Familienbudget leisten. Der Kurs findet am Vormittag statt. Nach dem gemeinsamen Mittagessen, welches ihnen offeriert wird, kehren die Frauen zu ihren Familien zurück.
Dank den Fahrkünsten von Shiva war es uns noch möglich einen Abstecher zu unserem zweiten Dorf Mahatma Puram (ehemals Balakotaiah Sangam) zu machen. Dieses von uns finanzierte Dorf wurde ebenfalls von der VRO in den Jahren 2009 bis 2011 erstellt. Es umfasst 42 Einzelhäuser für 42 Familien, welche in der Landwirtschaft und im Fischfang tätig sind. Erfreut konnten wir feststellen, dass sich das Konzept, die Häuser auf eine kleine Erhöhung zu bauen, während des Monsuns zu 100 % bewährt hat. Das Innere aller Häuser blieb trocken, die Wassermassen konnten nicht eindringen. Allerdings bewährte sich der Fussboden, der aus gestampftem Sand besteht, nicht optimal. Die nassen, schlammigen Füsse der Hausbewohner setzen dem Boden zu, so dass die Häuser nur schwer sauber gehalten werden können. Deshalb wünscht sich die Dorfbevölkerung, dass die Böden nachträglich noch mit Steinplatten bedeckt werden. Diese Arbeit würden sie selber erledigen, wären aber froh, wenn wir uns an den Kosten für das dafür benötigte Material beteiligen würden. In dieser Angelegenheit bleiben wir mit einem Vertreter des Dorfes in Kontakt.
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| Teile der alten Hütte werden als Vordach verwendet | Die neu erstellten Toiletten |
Die neu erstellten Toiletten werden noch zu wenig benutzt. Die Leute verrichten das grosse und kleine Geschäft immer noch in der näheren Umgebung. Es wird noch einige Zeit dauern bis das Umdenken in allen Köpfen stattgefunden hat.
| So, 02.10.11 | Fahrt an den Strand von Surilanka am Golf von Bengalen, Übernachtung in Guntur |
Für das Wiedersehen mit den Schreinerlehrlingen unseres Schreinerzentrums hatten wir diesmal einen besonderen Treffpunkt vereinbart, nämlich den sich über mehrere Kilometer erstreckenden Strand Surilanka am Golf von Bengalen. Dank Handy glückte dieses Treffen. Die 20 Knaben wurden von der Lehrerin Saritha, den beiden Schreinern Rambabu und Ashok, dem Hauswart Venkatesh, der Köchin Parabha Vathi sowie von Frau Mukkanti und ihren Söhnen und Töchtern begleitet. Für den Ausflug an den Strand mietete man zwei Kleinbusse samt Fahrer. Die Sonne stand bereits im Zenit, es herrschte eine grosse Hitze. Ein abkühlendes Bad inmitten der unzähligen Badenden wollten wir nicht nehmen. So entschlossen wir uns, in einem in der Nähe liegenden Restaurant auf die Schar zu warten.
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| Badekleider sind nicht en vogue |
Wiedersehen mit unseren angehenden Schreinern |
Wir wurden zu einem Picknick in der freien Natur eingeladen. Mit Sack und Pack bahnten wir uns einen Weg vorbei an unzähligem entsorgten Abfall. Unter einem mächtigen Cashewnussbaum liessen wir uns nieder. Wie in Indien üblich wurden zuerst die männlichen Teilnehmer bedient. Die beiden Fahrer wollten nicht mit uns essen. Die Köchin, welche immer noch an einer Verletzung anlässlich eines Töffunfalls litt, kochte das Mittagessen bereits frühmorgens um 04.00 Uhr! Das Essen war wie immer ausgezeichnet. Es bestand aus einer grossen Portion Curryreis, einem Ei und zwei Bananen. Zum Schluss wurde noch Reis mit Yoghurtsauce herumgereicht. Dies mildert im Magen die Schärfe und fördert die Verdauung. Für mich bereitete es grosse Mühe für längere Zeit im Schneidersitz zu verweilen und vornüber gebeugt mit den Händen zu essen. Dementsprechend hörte ich schnell auf und beobachtete die Knaben beim Verschlingen von mehreren grossen Portionen.
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| Die exzellente Köchin inmitten der „Nimmersatten“ | Das Essen muss „mühsam“ verdient werden |
Weniger gefiel mir das Prozedere nach dem Essen. Die Kartonteller wurden samt den Essensresten gefaltet und ins nahe Gestrüpp geworfen.
Wir versprachen allen auf der Rückfahrt noch bei einem Getränkestand Halt zu machen und ihnen ein kühles Getränk zu spendieren. Die Abfahrt verzögerte sich erheblich, da zuerst die Fahrer im Menschengewühl am Strand ausfindig gemacht werden mussten. Nach 5 Minuten Fahrt stoppten die beiden Fahrer, stiegen aus und gingen wortlos in ein Restaurant. Dort nahmen sie in aller Ruhe ihr Mittagessen ein. Sie liessen sich durch unser Drängen auf Weiterfahrt in keiner Weise stören. Als wir dann bei einem Getränkestand den beabsichtigten Halt wünschten, wurde uns beschieden, dass sie nun keine Zeit mehr dafür hätten.
Wir freuten uns auf ein kühles Bier in der Hotelbar. Doch hatten wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn der 2. Oktober ist der Geburtstag von Mahatma Gandhi und gleichzeitig weltweit der Tag der Gewaltlosigkeit. Aus diesem Grunde sind jeweils alle Bars geschlossen und während des ganzen Tages werden keine alkoholischen Getränke ausgeschenkt. Ein Ausruhen im Hotelzimmer war nicht möglich. Das überwiegend von Indern belegte Hotel wurde kurzerhand zum Kinderspielplatz umfunktioniert. Die Inder haben tagsüber die Zimmertüren offen. Die zahlreichen Kinder jeglichen Alters stürmen schreiend auf den Korridoren umher. Erst am späten Abend kehrt dann Ruhe ein.
| Mo, 03.10.11 | Besuch des Waisenhauses in Perecherla, Besuch des Schul- und Werkstattunterrichtes, Besprechung mit G. Mukkanti, Übernachtung in Guntur |
Die Grundsteinlegung für das Waisenhaus in Perecherla erfolgte am 6. Dezember 2008. Eine erste Etappe konnte im November 2009 und die zweite im März 2010 eingeweiht werden. Die Mehrzahl der Knaben sind Voll- oder Halbwaisen. Diese konnten dem Unterricht in der staatlichen Schule nicht folgen oder sind gar nie zu Schule gegangen. Diese Knaben erhalten eine 2-jährige schulische Grundausbildung in zwei Niveaus und absolvieren eine 2-jährige vereinfachte Ausbildung zum Schreiner. Chef ist G. Mukkanti, welcher vor Jahren als ausgebildeter Schreiner in der VRO tätig war. Er begleitete die Bauarbeiten des Zentrums und führt zusammen mit der Lehrerin Saritha, den beiden Schreinern Ashok und Rambabau, der Köchin Parabha Vathi sowie dem Hauswart Venkatesh dieses Ausbildungszentrum. Seit unserem letzten Besuch wurde eine Bank gebaut, auf der die Knaben ihre Kleider waschen können. Zudem wurde auf dem obersten Stockwerk der Boden mit einem Belag versehen, welcher das Eindringen von Wasser verhindert.
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| Die neue Waschbank |
Die Kleider der Knaben liegen zum Trocknen ausgebreitet auf dem abgedichteten Boden des obersten Stockwerkes |
Im 2. Lehrjahr sind gegenwärtig von den 14 Knaben nur noch 10 tätig (2 Hindus, 8 Christen). Einer musste ausgeschlossen werden, da dieser in der Nachbarschaft Goldschmuck geklaut hatte. Dieser bei der Polizei als Dieb bekannte Bursche wurde von ihr in sein Heimatdorf zurückgeführt. Einer wurde nach der Scheidung seinem Vater zugesprochen. Dieser holte ihn zu sich zurück. Nun hütet er die Wasserbüffel seines Onkels. Trotz Fürsprache von G. Mukkanti, der beiden Schreiner sowie der Lehrerin nahm der Vater seinen Sohn zu sich nach Hause. Die zwei anderen Absolventen mussten die Ausbildung abbrechen, da die beiden Mütter mit der Qualität des Unterrichtes nicht zufrieden waren. Schade! Ins neue 1.Lehrjahr sind 10 Knaben im Alter von 12 bis 16 Jahren eingetreten (3 Hindus und 7 Christen).
Ernst Forster und ich besuchten mehrere Lektionen des Schul- und Werkunterrichtes. Es war wirklich beeindruckend zusehen zu dürfen, wie ein Teil der Knaben des 2. Lehrjahres im Werkunterricht mit grossem Engagement verschiedenste Arbeiten erledigte, während dem die andern beim zweiten Schreiner dem Theorieunterricht folgten und ihr Werkheft nachführten.
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| Eine gesunde Mischung von Theorie und Praxis | Der Schreiner Ramababu kontrolliert die Arbeit | Diese Beistelltische finden guten Absatz | Die Lehrlinge führen ein eigenes Werkheft |
Gleichzeitig unterrichtete in der hauseigenen Schule die Lehrerin Saritha die Knaben des 1. Lehrjahres. Es zeigte sich, welche enorm schwierige Aufgabe diese Lehrerin zu erfüllen hat. Es gilt alle zu fördern, den Bildungsresistenten sowie die aufgeweckten Schüler, welche beachtliche sprachliche und mathematische Fähigkeiten haben. Diesen Spagat so erfolgreich zu tun ist für eine einzige Lehrkraft nicht möglich. Deshalb empfahlen wir G. Mukkanti und der Lehrerin Saritha nach einer zusätzlichen Lehrperson Ausschau zu halten, die, vielleicht auch nur in Teilzeit, einzelne Niveaugruppen unterrichtet.
Quartalsweise werden Prüfungen in Telegu (der örtliche Dialekt), Englisch und Mathematik geschrieben. In der Werkstatt wird halbjährlich ein Prüfungsstück hergestellt. Das letzte war ein Rahmen für einen Spiegel. Anhand des Werkstückes sieht man auch hier enorme Unterschiede. So bekundet der durch Kinderlähmung etwas behinderte 2. Lehrjahrstift grösste Mühe sowohl in der Schule wie auch im Werken. Wir hoffen, dass er bis Ende der Ausbildung im Juni 2012 noch einiges an Kenntnissen zulegen kann.
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Ein englischer Lückentext muss ergänzt werden |
Links ein perfekter Spiegelrahmen, rechts etwas gewöhnungsbedürftig |
Das Wort „Danke“ ist für die Knaben kein Fremdwort |
Die Köchin Parabha Vathi freut sich über die Rüstmesser |
G. Mukkanti gab uns auf entsprechende Anfrage hin den Tipp, den Knaben eine warme Wolldecke als Geschenk mitzubringen. Im Winter konnten sich die Knaben bis anhin beim Schlafen nicht ordentlich zudecken. Das Büro von Hectronic in Indien besorgte uns diese Decken. Die Knaben freuten sich sichtlich über diesen wärmenden Beitrag. Den Angestellten übergaben wir für ihren Haushalt ein Set Rüstwerkzeuge sowie Messer in verschiedenen Grössen. Diese brachte Ernst Forster aus der Schweiz mit. In Kloten deklarierte er diese Messersets, welche im aufgegebenen Gepäck waren. In Indien hatten wir jedoch drei inländische Flüge zu absolvieren. Da wird das Gepäck jeweils beim Abflug und bei der Ankunft gescannt. In Mumbai hatten wir grosses Glück, da wir bei der Ankunft unbemerkt an der Scanneranlage vorbeigehen konnten. Das Einchecken für den Flug nach Aurangabad erfolgte ohne Probleme. Bei der Ankunft waren zwei der drei Scannerstationen nicht in Betrieb. Vor der dritten Station gab es eine grosse Warteschlange. Das Personal winkte uns und versuchte die beiden Stationen, allerdings erfolglos, in Betrieb zu nehmen. So konnten wir ohne Scanning passieren. Für den Flug nach Mumbai und weiter nach Chennai verteilten wir die zahlreichen Rüstsets auf unsere Koffern. Wir hatten trotzdem ein mulmiges Gefühl und fassten den Vorsatz, nie mehr ein solches Geschenk aus der Schweiz mitzubringen.
| Di, 04.10.11 | Fahrt nach Unnava, Besuch des Tailoringcenters, Besuch von Patenkindern, Übernachtung in Guntur |
Zusammen mit G. Mukkanti besuchten wir das 30 Minuten von Perecherla entfernt gelegene Nähzentrum in Unnava. Dieses von unserer Gandhiorganisation finanzierte und von G. Mukkanti begleitete Projekt für Frauen konnte im Mai 2011 eingeweiht werden. Vorgängig gelangten 46 Frauen im Alter zwischen 15 und 28 Jahren mit der Bitte an uns, in ihrem Dorf eine Ausbildungsmöglichkeit für die Herstellung von Kleidern zu schaffen. Sie erklärten sich auch bereit, pro Monat 30 INR (-.60 CHF) an die Lohnkosten der Instruktorin zu entrichten. Wie in Chenna Pali Palem können die Frauen nach absolvierter Ausbildung Geld verdienen und sind damit in der Lage, einen spürbaren Beitrag an die Lebenskosten beizusteuern. Als Kurslokal steht eine Community Hall zur Verfügung, welche 1994 durch eine Parteispende finanziert wurde. Mit dem Besitzer konnte ein mehrjähriger Nutzungsvertrag abgeschlossen werden. Nach der Pinselrenovation des Gebäudes, der Installation von Beleuchtung und Ventilatoren sowie der Neuerstellung einer Toilette ausserhalb, konnte die Kurstätigkeit, je ein Kurs am Vormittag und einer am Nachmittag aufgenommen werden.
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Die in ein Kurslokal umfunktionierte Community Hall |
Die neu erstellte Toilette für die Kursteilnehmerinnen |
Die ausgebildete Schneiderin unterrichtet die sehr interessierten Frauen mit grossem Engagement. Die uns vorgelegte Absenzenkontrolle zeigt eine nahezu lückenlose Teilnahme der Frauen. In Theorie und Praxis werden diese in das vielfältige Schneiderhandwerk eingeführt. Dies umfasst neben zuschneiden, nähen, sticken von Kleidungsstücken jeder Grösse auch die Anfertigung von Kuscheltieren sowie die Gestaltung von Bildern.
Bereits zeigt sich, dass wir auf Ende der ersten Kursperiode zusätzliche Nähmaschinen anschaffen und den Frauen zur Verfügung stellen müssen, damit diese dann ihre Näharbeiten ausführen können. Die bisherigen Nähmaschinen werden dann von den neuen Kursteilnehmerinnen belegt. In einem kleinen noch zu errichtenden Vorbau werden die neuen Maschinen tagsüber für Arbeiten zur Verfügung gestellt. Dies hat auch den Vorteil, dass bei fachlichen Problemen die Frauen die Ausbildnerin um Rat fragen können. In der Nacht werden die Maschinen wie die andern eingeschlossen.
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| Praktische Arbeit an der Nähmaschine | Eine in ihrer Tätigkeit sehr überzeugende Lehrerin | Unser Besuch sorgte für Ablenkung im Theorieunterricht |
Stolz präsentieren uns die Frauen ein fertiges Kuschelbärchen, weitere sind in Arbeit |
Die restliche uns zur Verfügung stehende Zeit benutzten wir, um Patenkinder, welche in Unnava und Umgebung wohnen, zu besuchen. Stellvertretend für die 8 besuchten Kinder seien hier zwei näher vorgestellt.
Die 20-jährige Estaru Juguntia ist Halbwaise. Ihre Mutter starb an einer Lungenkrankheit. Estaru lebt bei ihrem invaliden Vater. Bedingt durch Diabetes musste ihm der linke Unterschenkel amputiert werden. Zudem ist er blind. Ohne unsere finanzielle Unterstützung wäre ein weiterer Schulbesuch von Estaru nicht möglich. Sie besucht gegenwärtig den Vorkurs für Lehrerin. Die eigentliche Ausbildung zur Lehrerin dauert nachher noch drei Jahre.
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Estaru mit ihrem invaliden Vater |
Die Noten des letzten Zeugnisses sind gut |
Der 10-jährige Vijayapavan Maddu ist Vollwaise. Er besucht gegenwärtig die 5. Klasse. Er lebt bei Verwandten. Dank der Patenschaft schicken sie den Knaben weiterhin zur Schule, da sie nicht für die Schulkosten aufkommen müssen.
Ende August erreichte uns eine schlimme Nachricht. G. Mukkanti berichtete uns, dass der 18-jährige behinderte Chanbasha Shaik, Halbwaise, am 24. August 2011 durch einen tragischen Unfall ums Leben kam. Er besuchte mit grossem Erfolg bereits das zweite Collegejahr und wollte im Anschluss Informatik studieren. Der starke Monsun hatte das Dach der Hütte, in welcher er mit seiner Mutter lebte, arg in Mitleidenschaft gezogen. Man war daran ein neues Dach zu errichten. Der Regen jedoch konnte in dieser Zeit ungehindert ins Innere der Hütte gelangen und den Boden teilweise unter Wasser setzen. Beim Einschalten des Computers erlitt Chanbasha einen tödlichen Stromschlag. Die behelfsmässige elektrische Installation trug das ihre dazu bei. Wir wollten auf dieser Reise der Mutter einen Kondolenzbesuch abstatten. Wir trafen lediglich die Schwester von Chanbasha, die Mutter selber war auswärts mit Arbeiten auf den Feldern von einem Grossgrundbesitzer beschäftigt.
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Der aufgeweckte 5. Klässler Vijayapavan |
Der überraschend verstorbene Chanbasha |
Am Abend luden wir G. Mukkanti samt seinen Mitarbeitenden zu einem Nachtessen in einem ländlichen Restaurant in der Nähe von Perecherla ein. Wir waren sehr erfreut, dass auch die Frauen unserer Einladung Folge leisteten. Besonders freute sich die Köchin über meine Bemerkung, dass ihr Essen mindestens so fein sei wie dasjenige in diesem Restaurant.
| Mi, 05.10.11 | Fahrt Guntur – Hyderabad, Besichtigung des infrage kommenden Bauplatzes in Veldurthy |
Mehrfach wurden wir darauf angesprochen, ein Projekt für Mädchen zu realisieren. Bereits im März 2010 hatten wir ein Gespräch mit dem Erziehungsminister D. Maikya Vara Prasada Rao, verantwortlich für die Ausbildungsbelange von der fünften bis zur zehnten Klasse im grossen Bundesstaat Andhra Pradesh (rund 60 Millionen Einwohner). Er empfahl uns ein Hostel für Mädchen im Umkreis von 100 bis 150 km von Guntur zu bauen. Denn in ländlichen Regionen ist es immer noch üblich, die Mädchen mit beginnender Pubertät aus dem Schulunterricht zu nehmen und sie stattdessen zur Arbeit mit der Familie oder in speziellen Einrichtungen (z B. Shrimpsfabriken) zu verpflichten. Der Hintergrund dazu ist die nach wie vor rigide Trennung der Geschlechter und die Angst der Eltern, dass den Mädchen auf dem Schulweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln etwas zustossen könnte. So lasen wir auf dieser Reise in der Zeitung, dass einmal mehr ein Mädchen auf dem Weg zur Schule vergewaltigt und anschliessend umgebracht wurde. Abhilfe schaffen die sogenannten Hostels, in denen die Mädchen während ihrer Schulzeit kostenlos in einem geschützten Umfeld leben können. Sie können vom Hostel die Schule bequem zu Fuss erreichen. Der Minister versprach uns, für ein solches Projekt Land zur Verfügung zu stellen. Es wurde uns ein Grundstück in Veldurthy in Aussicht gestellt. Die dazu notwendigen Bewilligungen lassen immer noch auf sich warten. Bekanntlich mahlen in Indien die Mühlen langsam, für unsere Verhältnisse sehr langsam. Inzwischen hatten Wahlen stattgefunden. Der Minister erhielt neue Aufgaben und G. Mukkanti musste den Kontakt neu knüpfen. Nun könnten wir unmittelbar neben der staatlichen Schule in Veldurthy ein rund 4'300 m2 grosses Landstück für die Errichtung eines Hostels für Mädchen (Halb- und Vollwaisen, Scheidungskinder) kaufen. Der Minister würde die Hälfte der Kosten von 550’000 INR (11'000 CHF) übernehmen. Auf der Fahrt nach Hyderabad, wo wir den Rückflug in die Schweiz antreten werden, besuchten wir das uns in Aussicht gestellte Grundstück in Veldurthy. Dieses liegt 400 m neben der staatlichen Schule und wäre für unser Bauvorhaben ideal. Wir werden das Projekt weiterverfolgen.
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Das infrage kommende Landstück für das geplante Mädchenhostel |
Unmittelbar neben dem Grundstück liegt die staatliche Schule |
Schon seit Tagen lasen wir in der Zeitung von politischen Unruhen rund um Hyderabad. Die muslimische Bevölkerung wünscht sich schon lange einen eigenen Bundesstaat mit dem Namen „Telangana“. Blockierung der Autobahn, Angriffe auf Cars und Privatautos mit grossem Sachschaden sowie Streiks machten die Gegend um Hyderabad ungemütlich. Auf Nebenstrassen erreichten wir unbehelligt Veldurthy. Die öffentlichen Busse verkehrten nicht mehr. Ausgerechnet am letzten und wichtigsten Tag des zehn Tage dauernden Durga Festes, eines der höchsten indischen Feste überhaupt, bestreikten die muslimische Bevölkerung den öffentlichen Verkehr. An diesem Fest der indischen Göttin Durga besuchen die Hindus ihre Verwandten. Dafür fielen uns auf der Fahrt die unzähligen privaten Vehikel auf, welche vollgestopft mit Menschen waren. Teilweise hockten die Passagiere zusätzlich auf den Dächern der Tuk Tuk’s und anderen Autos. Ich habe noch nie so viele Menschen auf einem Motorrad gesehen. Am Abend erreichten wir unser letztes Ziel, den Flughafen Hyderabad.
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| Unglaublich aber wahr: Diese Gruppe von 18 Personen, den Fahrer nicht mitgezählt, hatte in diesem Tuk Tuk “Platz“ |
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Do, 06.10.11 |
Flug Chennai – Frankfurt – Zürich |

| 12. November 2011 / Hans Kaufmann |
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